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    Zum Interpretieren von Architektur
Theorie des Interpretierens

12. Jg., Heft 2, Dezember 2008

 

___Stefan Meißner
Dresden
  Architektur – Diskurs – Interpretation

 

   

Nothing is more telling than what is not evident,
[… or] what seems to be unthinkable.

Lindner 2006: 40


1. Hinführung: Was ist Architektur?

Will man Architektur interpretieren, so muss zunächst gewusst werden, was Architektur ist. Diese Feststellung mag für den Passanten auf der Straße oder den Bewohner eines Hauses trivial erscheinen. Er mag vielleicht antworten: Architektur ist etwas Gebautes mit einer bestimmten Materialität, an dem man sich – im wahrsten Sinne des Wortes – stoßen kann, und sei es, dass man versucht, durch eine geschlossene Tür zu gehen. Dies kann natürlich nicht bestritten werden, jedoch soll im Folgenden die These vertreten werden, dass es nicht ohne weiteres möglich ist, Architektur zu beobachten, weil in Frage steht, was Architektur überhaupt ist. Woran ist zu erkennen, dass es sich um Architektur handelt? Weil man sich an ihr stoßen kann? Sicher nicht! Weil sie eine Schutzhülle für den Menschen ist, um der Natur zu trotzen? Aber dann wäre ein Auto oder eine Höhle auch Architektur.

Vielleicht ist der Sachverhalt Architektur doch nicht ganz so trivial wie gedacht. Selbst wenn Architekten befragt werden, was denn Architektur sei, bekommt man meist so viele verschiedene Antworten, wie Leute, die man interviewt. Sicher gibt es verschiedene Konzepte, auf welche sich immer wieder bezogen wird, wie die Kriterien von Vitruv
[1]: firmitas (Stabilität), utilitas (Zweckmäßigkeit) und venustas (Anmut) oder andere Konzepte wie bspw. die Funktion (Sullivan: form follows function); die Konstruktion (im Sinne von konstruktiver Wahrhaftigkeit); der Raum oder die Form sei das Entscheidende. Letztlich bleibt man jedoch einigermaßen ratlos zurück – obwohl man doch nur die einfache Frage, was Architektur überhaupt sei, gestellt hatte.

Wonach muss nun geschaut werden, um zu wissen, dass es sich um Architektur handelt? Zumindest für die moderne Architektur – oder um es neutraler zu formulieren: für die Architektur der Moderne
[2] – wird dies und damit eine Definition von Architektur zum Problem. Die Architektur der Moderne scheint vielmehr, ganz ähnlich der modernen Kunst, kommentarbedürftig zu sein; sie ist nicht von allein zu verstehen. Dabei steht nun aber in Frage, ob der Kommentar zur Architektur selbst zur Architektur zu zählen ist. Meines Erachtens – und dies soll im Folgenden dargestellt werden – ist Architektur überhaupt nicht ohne den sie beschreibenden Kommentar zu verstehen, denn unsere Vorstellung bzw. unser Wissen von Architektur wird durch Texte, Modelle, Fotographien und Filme über diese Architektur – und nicht nur durch deren reale Anschauung – konstituiert.
Nur nebenbei: Viele haben beispielsweise ein Bild des Bauhausgebäudes in Dessau im Kopf, ohne unbedingt in Dessau gewesen zu sein, und zudem müssen die gedanklichen Imaginationen nicht dem entsprechen, was vor Ort vorgefunden wird.
[3]

Architektur speist sich immer auch aus den gesellschaftlichen Diskursen – und dies auf mindestens zwei Ebenen: sowohl die Architekten rezipieren Unmengen an Bildern und Metaphern, wissen immer ganz genau, was gerade »in« ist und setzen dies dann in reale Architektur um, als auch die Rezipienten und die Nutzer von Architektur, welche ebenfalls mit Kommentaren, Bildern und Vorstellungen »vorbelastet« sind. Sowohl in der Tätigkeit des Architekten spielt die diskursive Gemengelage eine Rolle und drückt sich sowohl in der gebauten Architektur als auch in den von den Architekten selbst produzierten Kommentaren wie den zur Veröffentlichung konzipierten Aufnahmen, Perspektiven und Modellen aus, aber natürlich auch in den Texten, Interviews. Sie geben eine Interpretationsmöglichkeit vor, die ihre Plausibilität nicht aus überzeugender Argumentation zieht, sondern aufgrund ihrer Eingebundenheit in die vorgefundene diskursive Konstellation. Rezipienten dieser Architektur, sowohl professionelle Architekturkritiker als auch Passanten oder Nutzer des Gebäudes, kontrastieren diese Erzählungen der Architekten, erlangen jedoch auch nur (Selbst-)Verständlichkeit, wenn diese an vorgefundene Bilder, Metaphern und Kommentaren anschließen. Herauszustellen ist demnach der konstitutive Charakter der Architekturkommentare für jegliche Interpretation von Architektur. Architekturinterpretation entsteht nie in einer Situation der »tabula rasa«, sondern immer in einer historisch spezifischen Situation.

Genau bei dieser Kommentarbedürftigkeit der Architektur setzt eine diskursanalytisch geschulte Interpretation an, indem sie aus den verschiedenen Architekturdiskursen die historischen Plausibilitäten und Selbstverständlichkeiten rekonstruiert. Sie ist in diesem Sinne eine Beobachtung zweiter Ordnung, welche beobachtet, wie Architektur in einem bestimmten historischen Kontext beobachtet wird. Sie greift dabei auf empirisches historisches Material zu und rekonstruiert aus diesem die spezifischen Wissensordnungen, welche die jeweiligen Beobachtungen konstituieren. Insofern kann eine diskursanalytisch geschulte Interpretation vor allem etwas zu dem je spezifischen, historischen Wissen sagen, das sowohl das Bauen als auch die Wahrnehmung von Architektur zuallererst ermöglicht hat.


2. Fortführung – Was ist ein Diskurs?


Dass das Konzept des Diskurses (vgl. Bublitz 2003) selbst eine diskursive Wirkung entfacht hat, scheint, allein durch die vielen Aufsätze über mögliche Anschlüsse innerhalb der sozialwissenschaftlichen (Methoden-)Diskussion
[4], nicht von der Hand zu weisen zu sein (vgl. Keller 2001 und 2004). Es könnte gar von einem populären Begriff gesprochen werden. Zugleich muss jedoch in Rechnung gestellt werden, dass so genannte Diskursanalysen, aufgrund der Vielfältigkeit ihrer Operationalisierungsversuche, nicht als einheitliche, formalisierte Zugriffsverfahren auf die Empirie betrachtet werden können. Vielmehr verschwimmt allzu oft das, was als Diskurs zu bezeichnen wäre, in einem geradezu aufdringlichen »Gemurmel des Diskurses«[5].

Diskurs wird hier – im Anschluss an Foucault – gefasst als die stets endliche und zeitlich begrenzte Menge von Aussagen. Wichtig ist mir hieran Folgendes: Erstens ist nicht alles ein Diskurs, und zweitens sind die Aussagen, aus denen ein Diskurs besteht, etwas Empirisches
[6]. Zudem – nicht nur für Sprachanalytiker interessant – ist ein Diskurs weder auf der Ebene der Sprache (die »langue«, das System möglicher Aussagen) noch auf der des Sprechens (die »parole«, die einzelne Aussage) verortet. Denn es geht einzig um die Frage: „Wie kommt es, dass eine bestimmte Aussage und keine andere an ihre Stelle getreten ist?“ (Foucault 2001b: 899)

Um es kurz auf Architektur anzuwenden, warum wurde beispielsweise zur Rekonstruktion des Berliner Reichstags auf diesen eine Kuppel aus Glas gesetzt und keine korinthische Marmorsäule, keine Beton-Pyramide mit einem großen Auge; weder ein überdimensionaler Fahnenmast, noch ein Wald mit Hängebrücken. Es war auch kein Hubschrauberlandeplatz oder ein Bio-Dachgarten mit den schönsten Gartenzwergen Deutschlands – es war eine Glaskuppel. Und dieses Material wurde verbunden mit Transparenz und folgend mit Demokratie, was ja prinzipiell erstaunlich ist
[7]. Warum dieses jedoch in der historischen Situation recht plausibel war und immer noch ist, das fragt die Diskursanalyse.

Sie vermutet dabei aber nicht, wie nach dem Beispiel vielleicht anzunehmen, dass es die Intention des Bauherrn oder das Interesse des Architekten gewesen sei, die eine Glaskuppel entstehen ließ. Statt Fragen nach den Intentionen der Akteure zu stellen, fokussiert die Diskursanalyse auf die Möglichkeitsbedingungen des Gesagten, da es letztlich unmöglich ist, die Gedanken anderer überhaupt analysieren zu können. Deswegen rekonstruiert sie die Plausibilität der Verbindung von Glas und Demokratie und fahndet nach historischen Vor- und Denkbildern, die diese unhinterfragte Selbstverständlichkeit ermöglichen. Somit ist sie als ein Verfahren zu beschreiben, mit dem historisch variable Ordnungen des Denkens (und damit ist kein individuell-subjektiver Prozess gemeint!) re-konstruiert werden können. Letztlich handelt es sich um eine systematische »Wendung des Blicks« (vgl. Foucault 1981: 161) und um eine auf Dauer gestellte Haltung der Distanzierung von dem Allzu-nahe-liegenden, den Selbstverständlichkeiten, den Plausibilitäten und Denkgewohnheiten.


3. Weiterführung – Wie funktioniert eine Diskursanalyse?


Über das Vorgehen bei einer Diskursanalyse schreibt Foucault relativ vage: „Es handelt sich darum, die Aussage in der Enge und Besonderheit ihres Sichereignens zu erfassen; die Existenzbedingungen zu bestimmen, auf das genaueste ihre Grenzen zu fixieren, ihre Korrelation mit anderen Aussagen zu erfassen, mit denen sie verknüpft sein kann, zu zeigen, welche anderen Formen der Aussage sie ausschließt.“ (Foucault 2001b: 899f.)

Es geht Foucault also darum, die Elemente eines Diskurses (die Aussagen) zu erfassen und deren Eingewobensein in ein Aussagenfeld herauszuschälen. Dieses Aussagen-Netz wird aus der Relationalität einzelner Aussagen, deren Beziehungen und Abständen, aus deren Differenz zueinander, wie auch durch deren Affinität bestimmt. Insofern ist von einer paradoxalen Struktur auszugehen, da sich Aussagen ausschließlich durch den Diskurs, das Regelsystem eines Aussagenfeldes, beschreiben lassen, genauso wie der Diskurs sich nur durch die Relationen der Aussagen untereinander darstellen lässt.

Im Allgemeinen hat man entweder eine feste Methode für ein Objekt, das man nicht kennt, oder das Objekt existiert bereits und man weiß, dass es da ist, aber man meint, dass es noch nicht in angemessener Weise analysiert worden ist, und entwickelt darum eine Methode, um dieses bereits existierende und bekannte Objekt zu analysieren. Das sind die beiden einzig vernünftigen Vorgehensweisen. Mein Vorgehen ist dagegen vollkommen unvernünftig und außerdem anmaßend, wenn auch unter dem Deckmantel der Bescheidenheit. Aber es ist dennoch eine Anmaßung, Hochmut, ein nahezu wahnhafter Hochmut im Hegelschen Sinne, über ein unbekanntes Objekt mit einer nicht definierten Methode sprechen zu wollen. Da kann ich nur Asche auf mein Haupt streuen und sagen: So bin ich nun einmal...
(Foucault 2003: 522)

Folgt man diesem Zitat, ließe sich Foucaults Methodenvorstellung weder als deduktiv noch als induktiv beschreiben, sondern mit Niklas Luhmann als »kybernetisch«. Denn es könne nicht davon ausgegangen werden, dass es eine garantiert sichere Position überhaupt gibt, sondern vielmehr nur, „daß die Sicherheit nur im Prozeß selbst liegen kann, das heißt nur darin, daß man sich vorbehält, die Ausgangspositionen aller Schritte (auch der »ersten«!) jederzeit revidieren zu können, wenn der Prozeß dazu Anlaß gibt.“ (Luhmann 1992: 418) Insofern wäre die Methode ein permanentes „Praktizieren von Vorgriffen und Rückgriffen“ (ebd.: 418). Im diskursanalytischen Forschungsprozess muss also immer auf einen noch nicht vollständig fassbaren Diskurs vorgegriffen werden, welcher dann wieder im Rückgriff die Aussagen in ihrer Besonderheit hervorstechen lässt, die sodann wiederum die Beschreibung des Diskurses etwas verschieben. Das Verfahren ist also als ein Oszillieren zu begreifen, bei dem sich im Laufe der Zeit die Regelhaftigkeit und Strukturiertheit des Diskurses herausschält.

Damit rückt durch eine diskursanalytische Perspektive das problematische Verhältnis von wissenschaftlichen Methoden und »Realität« bzw. »Architektur« im hier verhandelten Sinne zunehmend in den Blick. Denn mit einer solchen Perspektive wird die Prämisse, dass Realität etwas vor jeder Beobachtung unabhängig Vorhandenes und Existierendes sei, problematisiert. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass durch den Zugriff auf Empirie diese mitkonstituiert wird und somit jede Methode am Produzieren einer spezifischen Realität durch die Beobachtung dergleichen beteiligt ist. Der Anspruch an Wissenschaftlichkeit kann dann nicht darin bestehen, diese Herstellung von Wirklichkeit zu negieren bzw. außer Kraft zu setzen, sondern diese mit in den Blick zu nehmen und dadurch zu kontrollieren. Insofern muss auch immer von einer (Re‑)Konstruktion von Diskursen gesprochen werden, da das Material in spezifischer Weise geordnet wird.


4. Verführung – Die Sichtbarmachung von Architektur durch Diskurse

Die oft gehörte Antwort eines Architekten, der unter vier Augen gefragt wurde, warum die Höhe des Raumes dort so niedrig sei, oder das Fenster an dieser Stelle so lang, oder die Wegeführung in dieser Art und Weise gestaltet worden sei, ist bezeichnend: „das würde man halt so machen“. Warum sich so und nicht anders entschieden wurde, ist letztlich nie vollkommen erklärbar und auflösbar. Nie können die Funktion oder die zu schaffende Atmosphäre, die Materialien, die technische Ausführung oder das Budget determinieren, wie etwas letztendlich gestaltet wird. Die Antwort auf die Frage nach dem »Warum« weiß der Architekt meist selbst nicht. Was er nutzt, ist eine Art Sensorium – ein »Gespür«, eine »Haltung«, »Erzählungen«, manchmal die »Situation« oder der »genius loci« –, das ihm einen Weg weist durch die Kontingenz eines jeden Bauwerks, also durch die permanent bestehende Möglichkeit, alles auch ganz anders machen zu können.
[8]

Die Diskursanalyse zielt auf genau diese unbewusste oder besser: vorbewusste Struktur, mit Kontingenz umzugehen. Diese Struktur ist historisch variabel, sie löst bei jedem Architekten andere Reaktionen aus, aber sie kann helfen zu verstehen, warum so und nicht anders gebaut wurde.

Noch bezieht sie sich dafür vor allem auf Texte – Texte von Architekten, von Architekturkritikern in Zeitungen oder Architekturzeitschriften, öffentliche Debatten, Interviews mit den Nutzern oder Bewohnern, aber auch rechtliche Vorschriften, ökonomische Rechnungen und politische Argumentationen. Gegenüber Bildern, Fotographien, Modellen, CAD-Zeichnungen scheint sie noch etwas blind – doch spricht prinzipiell nichts gegen Diskursanalysen anhand von visuellem Material. Der berühmte Blick durch die Ecke des Bauhauses entfachte eine diskursive Wirkung ganz ohne Worte – er plausibilisierte die neue Art zu bauen. Gerade für die Interpretation von Architektur ist dies von enormer Bedeutung – denn es kann so sichtbar machen, was von der (gebauten) Architektur sichtbar gemacht wird.
[9]

Es sollte deutlich geworden sein, dass die Diskursanalyse nicht danach fragt, wer diese Architektur gebaut hat, oder wie diese Architektur gebaut wurde. Sie versucht vielmehr zu ergründen, welche Wissensformation, und das heißt, welche Denkgewohnheiten und Plausibilitäten notwendig sind, um eine bestimmte Art von Architektur zu bauen. Insofern kann die Diskursanalyse die sozialen Erwartungen und Haltungen herauskristallisieren, die sowohl gegenüber gebauter Architektur zum Ausdruck kommen, als auch für das architektonische Gestalten (dem Entwurf) selbst von enormer Bedeutung sind. Damit macht sie das Unsichtbare der Architektur sichtbar, nämlich die ausgeschlossenen, gerade nicht realisierten Möglichkeiten, und kann so erklären helfen, warum trotzdem so und nicht anders gebaut wurde.


 



Literatur:

Benevolo, Leonardo: Storia dell'architettura moderna, Milano 1960.

Blumenberg, Hans: Paradigmen zu einer Metaphorologie, Frankfurt am Main 1999/1960.

Bödeker, Hans Erich (Hg.): Begriffsgeschichte, Diskursgeschichte, Metapherngeschichte, Göttingen 2002.

Bublitz, Hannelore: Diskurs, Bielefeld 2003.

Foucault, Michel: Archäologie des Wissens, Frankfurt am Main 1981 [frz. 1969].

Foucault, Michel: Die Ordnung des Diskurses, Frankfurt am Main 1998 [frz. 1972].

Foucault, Michel: Michel Foucault erklärt sein jüngstes Buch, in: Ders., Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits. Band 1: 1954-1969, Frankfurt am Main 2001a [frz. 1969], S. 980-991.

Foucault, Michel: Über die Archäologie der Wissenschaften. Antwort für den Cercle d`èpistémologie, in: Ders., Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits. Band 1: 1954-1969, Frankfurt am Main 2001b [frz. 1968], S. 887-931.

Foucault, Michel: Macht und Wissen, in: Ders., Schriften in vier Bänden. Dits et Ecrits. Band 3: 1976-1979, Frankfurt am Main 2003 [frz. 1977], S. 515-534.

Giedion, Siegfried: Raum, Zeit, Architektur. Die Entstehung einer neuen Tradition, Ravensburg 1965/1941.

Keller, Reiner: Diskursforschung. Eine Einführung für SozialwissenschaftlerInnen, Opladen 2004.

Keller, Reiner/Hirseland, Andreas/Schneider, Werner/Viehöver, Willy (Hg.): Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, Band 1: Theorien und Methoden, Opladen 2001.

Koselleck, Reinhart: Einleitung, in: Brunner, Otto/Conze, Werner/Koselleck, Reinhart (Hg.): Geschichtliche Grundbegriffe. Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, Band 1 (A-D), Stuttgart 1972, S. XIII-XXVII.

Lindner, Rolf: The Gestalt of the Urban Imaginary, in: Urban mindscapes of Europe, hg. von Godela Weiss-Sussex und Franco Bianchini, New York 2006, S. 35-42.

Luhmann, Niklas: Gesellschaftliche Struktur und semantische Tradition, in: Ders., Gesellschaftsstruktur und Semantik. Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft, Band 1, Frankfurt am Main 1980, S. 9-71.

Luhmann, Niklas: Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1992.

Neumeyer, Fritz: Quellentexte zur Architekturtheorie, München u. a. 2002.

Schöttler, Peter: Wer hat Angst vor dem ‚linguistic turn’?, in: Geschichte und Gesellschaft, 23, 1997, S.134-151.

Schrage, Dominik: Was ist ein Diskurs? Zu Michel Foucaults Versprechen, ‘mehr’ ans Licht zu bringen, in: Bublitz, Hannelore/Bührmann, Andrea D./Hanke, Christine/Seier, Andrea (Hg.): Das Wuchern der Diskurse. Perspektiven der Diskursanalyse Foucaults, Frankfurt am Main/New York 1999, S. 63-74.

Schrage, Dominik: Kultur als Materialität oder Material – Diskurstheorie oder Diskursanalyse? in: Rehberg, Karl-Siegbert (Hg.): Soziale Ungleichheit – Kulturelle Unterschiede, Verhandlungen des 32. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in München 2004, CD-ROM, Frankfurt am Main/New York 2006, S. 1806-1813.

Schwarting, Andreas: „Der Sieg des neuen Baustils“. Geschichtskonstruktionen und Geltungsansprüche in der Architektur der Moderne, in: Brodocz, André/Mayer, Christoph Oliver/Pfeilschifter, Rene/Weber, Beatrix (Hg.): Institutionelle Macht. Genese – Verstetigung – Verlust, Köln/Weimar/Wien 2005, S. 197-211.

Stäheli, Urs: Sinnzusammenbrüche. Eine dekonstruktive Lektüre von Niklas Luhmanns Systemtheorie, Weilerswist 2000.

Turnovsky, Jan: Die Poetik eines Mauervorsprungs, Braunschweig 1987.

 



Anmerkungen:

 

[1] Vergleiche bspw. Neumeyer (2002: 82-91).

[2] In diesem Aufsatz wird der Terminus „Architektur der Moderne“ verwendet, der die Architektur bezeichnet, die in der Moderne gebaut wurde. „Moderne Architektur“ ist als Analyse-Begriff problematisch geworden, da er als Kampfbegriff einer kleinen Gruppe – zumeist Avantgarde genannt – gegen eine Architekturtradition benutzt wurde. Wird er hier dennoch verwendet, so in dieser Bedeutung als eine Stilrichtung der Architektur der Moderne.

[3] Man denke nur an die doch sehr unterschiedlichen Aufnahmen des Gebäudes in Giedion, Siegfried (1965/1941) und Benevolo (1960: 57).

[4] Neben den Diskussionen um den Diskursbegriff entstanden im deutschsprachigen Kontext auch weitere methodologische Perspektiven, welche in eine ähnliche Richtung zielen. Prominent ist sicher die (historische) Begriffsgeschichte (vgl. grundlegend Koselleck 1972); die trotz Absetzbewegungen an die klassische Wissenssoziologie anschließenden Semantikstudien Luhmanns (vgl. v.a. Luhmann 1980) und die vom Philosophen Hans Blumenberg geprägte »Metaphorologie« (Blumenberg 1999). Einen guten Überblick über diese Perspektiven und deren Berührungspunkte bietet der Sammelband von Bödeker (2002). Zur (eher theoretisch gefassten) Schnittstelle von Luhmanns Semantikstudien und dem diskurstheoretischen Ansatz Foucaults vergleiche Stäheli (2000 bes. 184-229).

[5] Da im deutschen Theoriekontext auch noch der [normativ konzipierte] Diskursbegriff im Sinne Jürgen Habermas’, kondensiert in der Formel des »herrschaftsfreien Diskurses«, existiert, ist teilweise vollkommen unklar, was mit »Diskurs« gemeint sein könnte. Über die Faustformel „[i]mmer, wenn das Wort Diskurs in Verbindung mit den Präpositionen ›über‹, ›um‹, ›an‹ oder ›zu‹ auftritt (oder auftreten könnte)“, habe „der Autor oder die Autorin nicht Foucault im Hinterkopf, sondern Habermas – und oft nicht mal den“ (Schöttler 1997: 141) kann zumindest eine grobe Klärung erreicht werden.

[6] Damit ist v. a. gemeint, dass ein Diskurs im hier verstandenen Sinne nichts Normatives ist, wie es Jürgen Habermas nahe legt.

[7] Immerhin fallen dem geneigten Leser genügend demokratische Gebäude ein, die recht wenig mit Glas und Transparenz zu tun haben, wie bspw. das Weiße Haus oder der amerikanische Kongress, auch der Sitz demokratischer Regierungen in Paris, London oder Rom scheint nicht dieser scheinbar so plausiblen Argumentation zu folgen.

[8] Vergleiche hierzu exemplarisch die Bemühungen Wittgensteins, das Haus in der Wiener Kundmanngasse zu bauen und sein Scheitern – Architektur ist nicht mit Logik zu besiegen. Alles wunderbar auf den Punkt gebracht von Jan Turnovsky in seinem Buch »Die Poetik eines Mauervorsprungs«.

[9] In diese Richtung geht bspw. Andreas Schwarting (2005).




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